Vorwort:

Den folgenden Beitrag über die Sechta haben Kevin Gunst, Sarah Gunst und Jürgen Gunst recherchiert. Kevin Gunst hat 2007 sein Abi-Referat über den Hochwasserschutz entlang der Sechta und Sarah Gunst hat ihr Abi-Referat 2011 über die Renaturierung der Sechta (ProSeKKO) gehalten.

 

In den folgenden Beitrag wurden beide Referate eingearbeitet.  

© Copyright by Jürgen Gunst

 

 

Die Sechta

 

Ein Ausflug in die Geschichte

In der nur sehr wenig technisierten Landwirtschaft um das Jahr 1910 herum, hatte das Grünfutter noch eine viel größere Bedeutung in der Viehwirtschaft wie heute. Während und nach dem Ersten Weltkrieg war die Hungersnot überall sehr groß. Die Bauern bewirtschafteten auch solche Flächen, die hierfür eigentlich nicht geeignet waren. Gemeint sind die Überschwemmungsflächen der Sechta.

 

Pfarrer Joas aus Unterschneidheim zitiert die Pfarrchronik der Gemeinde Unterschneidheim und berichtet vom Rekordhochwasserjahr 1910. Dort heißt es:

 

„Der Sommer 1910 soll als "aestas nefasta in perpetuam rei memoriam" (= als unheilvoller Sommer in ewiger Erinne­rung) hier verzeichnet sein. Fast immer Regen, die Sechta ca. 20- bis 30-mal über die Ufer getreten (einmal stand das Wasser bis zum Seiteneingang der Kirche herauf, d. h. auf der Straße). Der ganze Brühl (Wiesental der Sechta) war den ganzen Sommer über ein Sumpf. Die Leute mussten mit Rohrstiefeln mähen, der Heu- und Ohmdertrag teils fortgeschwemmt, teils ganz nass und fäulig eingebracht. Und das Ende vom Lied, eine bis da­hin fast unbekannte massenmörderische Seuche - noch är­ger als die Maul- und Klauenseuche, die Leberegelseuche. Rund 300 Stück Klein- und Großvieh mussten teils verlocht (vergraben), teils um einen Spottpreis (15, 20, 30, 50, 70 Mark für ehemals schönste Kühe) an den Juden (das waren damals die Viehhändler) verkauft werden. Das bedeutete ei­nen Verlust von ca. 100.000 Mark. Da infolge der Seuche die Nachzucht sehr stark litt, bezeichnet sich der wirkliche Scha­den noch viel höher…"

 

Über das Grasfutter der häufig überschwemmten Flächen infizierten sich Kühe und Rinder also mit Leberegeln. Es kam zu einer regelrechten Seuche,die immer wieder auftrat. Dass dies während der Zeit der Hungersnot des Ersten Weltkrieges geschah, war besonders schlimm für die Bevölkerung.

 

Die Begradigung derSechta

 

Die Pfarrchronik hielt auch fest, dass die Sechta oberhalb von Unterschneidheim im Jahre 1919 begradigt wurde. Hundert Männer arbeiteten ab August von "frühmorgens bis spät abends" daran die Sechta in ein tieferes und geradlinigeres Bett zu zwängen.

 

Erst 10 Jahre später, im Jahre 1929 begann man damit, die Sechta auch zwischen Unterschneidheim und Oberdorf zu begradigen. Da zu diesem Zeitpunkt bereits mit Baggern gearbeitet wurde, konnte die Sechta in ein ziemlich geradliniges, mit Steinschüttungen ausgebautes Kanalbett gepresst werden. Die Bagger von damals waren allerdings kaum mit den heutigen zu vergleichen und so dauerten die Bauarbeiten bis ins Jahr 1935, weil sie immer wieder von plötzlich auftretenden Hochwassern unterbrochen wurden.

 

Mit dem neuen Kanalbett wurde der Wasserabfluss wesentlich erhöht und die jährlichen Überschwemmungen blieben über Jahrzehnte hinweg aus.



 

Nach der Begradigung

 

Durch die Anlegung von zahllosen Entwässerungsgräben und Drainagen im Einzugsgebiet der Sechta wurde erreicht, dass sich das Regenwasser nicht mehr so lange im Erdreich aufhält, sondern rasch abgeleitet wird. Das verbessert zwar die Bewirtschaftungsmöglichkeit dieser Flächen und steigert auch deren Ertrag, führt aber auch dazu, dass schon nach kurzen Trockenperioden mit nur wenig Niederschlag nur noch sehr wenig Wasser in die Sechta gelangt.

 

Das begradigte Bachbett ist bei Normalwasser viel zu breit. Hier sieht man was mit einem Fließgewässer im Sommer passiert, das nicht mehr fließt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

      (Aufgeweitete Sechta im Bereich Messplatz in Bopfingen)

 

Die Folgen der Bachbettaufweitung sind eine höhere Wassertemperatur, wodurch viele Wasserbewohner, die in diese Gewässerregion gehören, absterben oder abwandern.

Hinzu kommt, dass das Wasser aus den Drainagen einen hohen Phosphor-, Stickstoff- und Kaliumanteil aufweist, welcher aus den, mit Gülle, Mist und Kunstdünger behandelten Flächen ausgeschwemmt wird.

Dieser hohe Nährstoffanteil im Wasser führt bei reduzierter Fließgeschwindigkeit zu einer Eutrophierung des Gewässers, also einem Überhandnehmen der Unterwasservegetation.

 

Die Flächenversiegelung nimmt zu

 

Wie schon angesprochen, begannen die Bauern in den siebziger Jahren damit, entlang der Sechta ihre Wiesen und Äcker mit staatlichenZuschüssen zu drainieren, um die weichen Böden auch mit großen Traktoren bewirtschaften zu können. Gleichzeitig wurden die Wassergräben entlang der Straßen, Feldwege und auch die in der Feldlage selbst, insbesondere im Zuge der Flurbereinigungen und damit wiederum mit hohen staatlichen Zuschüssen ausgebaut.

 

Vorher schon entwickelte sich ab den fünfziger Jahren ein anhaltender Bauboom, der dazu führte, dass immer mehr landwirtschaftliche Flächen versiegelt wurden.

 

Diese erneuten Eingriffe in die Natur hatten zur Folge, dass auch das ausgebaute Sechtabett bei stärkeren Regenfällen die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnte. Jährliche Überschwemmungen wurden immer mehr zur Regel. Insbesondere an den Brücken in Unterschneidheim, Oberdorf, Trochtelfingen und zuletzt auch an den Brücken in Bopfingen kam es zu Rückstauungen und das Wasser trat über die Ufer und überschwemmte große Flächen.

 

Sechtabrücke in Oberdorf 1989

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Außerdem kam es zu Rückstauungen in den Abwasserkanälen, die das Wasser der versiegelten Flächen nicht mehr schnell genug ableiten konnten. Viele Stallungen, Keller und Wohnungen standen alljährlich mehrfach unter Wasser und die Schäden wurden immer größer.     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Ende der achtziger Jahre (1988) wurde deshalb von den Anliegergemeinden der Wasser- und Bodenverband Sechta-Eger gegründet.

Mitglieder sind:

•         der Ostalbkreis

•         die Städte Bopfingen und Lauchheim

•         und die Gemeinden Riesbürg, Kirchheim am Ries, Unterschneidheim, Tannhausen

          und Stödtlen

Sie setzten sich zum Ziel, die betroffenen Anlieger zumindest vor einem 50-jährigen Hochwasser zu schützen.

 

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