Die gemeine Bachmuschel
In Zusammenarbeit von Regierungspräsidium Stuttgart, dem Wasser- und Bodenverband Sechta-Eger und mit der Ausrüstung und der Manpower des Hege- und Fischereivereins Eger e. V. sollte 2009 erkundet werden, ob in dem unteren Bereich zwischen Edelmühlbrücke und Rückhaltedamm Oberdorf, die vom Aussterben bedrohte Gemeine Bachmuschel unio crassus noch vorkommt. Vorhandene Muschelschalen ließen hierauf schließen.
Die Biologen des RP vermuteten, dass – wenn überhaupt – nur noch geringe und überalterte Bestände vorhanden sein dürften.
In einer kurzfristig angesetzten Aktion im November 2009 gruben die Angler des Fischereivereins aus einem einzigen Kiesbett 250 Exemplare aus, die zum Teil bis zu 20 cm tief im Kiessubstrat eingegraben waren. Erfreulich war die Feststellung, dass nicht nur Alt- sondern auch zahlreiche Jungtiere gefunden wurden.
Das Ergebnis dieser Feststellung war, dass die neu angelegten mäandrierenden Kanäle noch nicht geflutet wurden, weil in den neugeschaffenen Bereichen zuerst einmal die Lebensräume für diese Muscheln geschaffen werden mussten, bevor man weitere Muscheln bergen und umsiedeln konnte.
Auf der Gemarkung Trochtelfingen neben dem Jahn-Freibad gibt es eine Wiese, die früher einmal zum Überschwemmungsgebiet der Eger gehörte und von der man wusste, dass sich unter der Humusschicht eine ca. 2 m dicke Kiesschicht befand, deren Beschaffenheit der Bachmuschel ideal als Lebensraum dienen konnte.
Es wurden also einige Lastwagen voll an Kies entnommen und im renaturierten Bereich der Sechta eingebaut.
Somit erhielten die Bachmuscheln eine neue Heimat.
Weitere Muscheln wurden Anfang 2010 aus mehreren Kiesbänken geborgen, um welche die Sechta künftig mäandrierend herumgeführt werden soll. Diese Kiesbänke werden künftig in Altwassern liegen und damit kein idealer Lebensraum mehr für die Muscheln sein.
Der Bitterling
Zu den Muscheln hat die Sechta eine weitere Besonderheit zu bieten. Sie ist das längste zusammenhängende Fließgewässer in Baden-Württemberg, in dem der Bitterling noch häufiger vorkommt.
Bitterling (Rhodeus sericeus amarus)
Der Bitterling ist ein gesellig, in Schwärmen lebender, hochrückiger Kleinfisch, der eine Länge von höchstens 10cm erreicht. Er besiedelt stehende und langsam fließende Gewässer mit Teich- oder Flussmuschelbeständen, auf die er zur Fortpflanzung zwingend angewiesen ist. Die Eier werden von den Weibchen mit Hilfe einer mehrere Zentimeter langen Legeröhre in die Atemöffnung von Muscheln abgelegt. Dort entwickeln sie sich von den Muschelschalen geschützt und durch den Atemstrom der Muschel gut mit Sauerstoff versorgt zu Jungfischen.
Damit schließt sich der Kreis zwischen Muschel und Fisch.
Die Mehrzahl der bekannten Bitterlingpopulationen sind in ihrer Ausdehnung stark begrenzt und befinden sich isoliert voneinander in einzelnen stehenden Gewässern oder Fließgewässerabschnitten.
Der Biber
Der Biber ist genauso hoch geschützt wie etwa der Steinadler. An der renaturierten Sechta hat er ein kleines Auenwäldchen gefunden, in dem er bereits heimisch geworden ist. Hier hat er Platz um Dämme bauen zu können, ohne dass er den örtlichen Landwirten in die Quere kommt.
Die Auerochen kommen
Über den Sinn und Zweck dieses Pilotprojekts kann man geteilter Meinung sein. Jedenfalls wurden bei der Ortschaft Itzlingen ca. 30 Hektar Fläche eingezäunt, durch das die mäandrierende Sechta verläuft. Hier werden künftig direkte Abkömmlinge der bereits 1627 ausgestorbenen Heckrinder ganzjährig frei und naturnah leben und sich vermehren können.
Ein örtlicher Landwirt hat die Betreuung der Ur-Rinder übernommen.
Außerdem darf man hoffen, dass sich bald wieder ein Paar Schwarzstörche auf dem naturbelassenen Gebiet einfinden und ihr Brutgeschäft aufnehmen werden.
Zum Schluss
Die mäandrierende Sechta wird bei stärkeren Regenfällen künftig schneller über die Ufer treten als vor der Renaturierung. Die landwirtschaftlichen Grundstücke im Überschwemmungsgebiet gehören dem Wasser- und Bodenverband und werden nur extensiv bewirtschaftet.
Im Beisein der damaligen Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) wurde am 4. Mai 2011 in Bopfingen-Oberdorf (Ostalbkreis) die Renaturierung des Flüsschens Sechta offiziell abgeschlossen. Die erfolgreiche Wiederherstellung des natürlichen Flusslaufes ist das landesweit bislang größte Projekt, bei dem ein Fließgewässer weitestgehend wieder in den Ursprungszustand vor der Begradigung versetzt wird. „Mit dem Projekt wird der Sechta ihr natürliches Flussbett wieder gegeben und eine neue Heimat für eine künftig weiter wachsende Vielfalt an Tieren und Pflanzen geschaffen. Die Sechta wird nun wieder ein ökologisch intaktes Gewässer und steht als Beispiel für eine gelungene Renaturierung eines Fließgewässers“, so Umweltministerin Tanja Gönner.
Damit ist das Projekt PROSEKKO abgeschlossen:
Projekt zur Renaturierung der
Schneidheimer Sechta auf den Gemarkungen
Kirchheim, Kerkingen und Oberdorf
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